Vollständiger Impfplan für Hunde. Pflicht- und Wahlimpfungen.
Disclaimer: Dieser Inhalt dient nur zur Information. Konsultieren Sie immer Ihren Tierarzt.
Die Impfung gehört zu den wirksamsten Maßnahmen der veterinärmedizinischen Vorsorge. Ein konsequent eingehaltener Impfplan schützt Ihren Hund vor schwerwiegenden, teilweise tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten. Dieser Leitfaden basiert auf den aktuellen Empfehlungen der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) in der Fassung von 2024 und berücksichtigt die spezifischen Gegebenheiten in deutschsprachigen Ländern.
Die Grundimmunisierung bildet das Fundament des lebenslangen Immunschutzes. In den ersten Lebenswochen sind Welpen durch maternale Antikörper geschützt, die über die Kolostralmilch aufgenommen werden. Dieser passive Schutz lässt jedoch zwischen der 6. und 16. Lebenswoche nach, weshalb in diesem Zeitraum die aktive Immunisierung beginnen muss.
| Impfstoff | Welpenalter | Auffrischung | Erwachsener Hund |
|---|---|---|---|
| Staupe (CDV) | 8, 12, 16 Wochen | 15 Monate | Alle 3 Jahre |
| Parvovirose (CPV-2) | 8, 12, 16 Wochen | 15 Monate | Alle 3 Jahre |
| Hepatitis contagiosa (CAV-2) | 8, 12, 16 Wochen | 15 Monate | Alle 3 Jahre |
| Parainfluenza (CPiV) | 8, 12, 16 Wochen | 15 Monate | Alle 3 Jahre |
| Tollwut | Ab 12 Wochen | 1 Jahr | Jährlich (gesetzlich je nach Land) |
| Leptospirose | 8 und 12 Wochen | Jährlich | Jährlich |
Die WSAVA unterscheidet zwischen Core- und Non-Core-Impfungen. Core-Impfungen sollte jeder Hund unabhängig von Haltungsbedingungen erhalten, da die entsprechenden Erreger eine hohe Morbidität und Mortalität aufweisen.
Der DHPPi-Kombinationsimpfstoff vereint den Schutz gegen Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose und Parainfluenza in einer einzigen Injektion. Die Grundimmunisierung erfolgt in drei Dosen im Abstand von jeweils vier Wochen, beginnend mit der 8. Lebenswoche. Nach der Auffrischung im 15. Lebensmonat genügt eine Wiederholungsimpfung alle drei Jahre, da die Dauer der Immunität (DOI) für diese Komponenten nachweislich mindestens drei Jahre beträgt.
Staupe (Canine Distemper): Verursacht durch ein Paramyxovirus mit Affinität zum respiratorischen, gastrointestinalen und zentralnervösen Gewebe. Die Letalitätsrate bei ungeschützten Welpen liegt bei bis zu 50 Prozent.
Parvovirose: Das canine Parvovirus Typ 2 befällt sich schnell teilende Zellen, insbesondere die Darmkrypten. Ohne intensivmedizinische Behandlung verläuft die Erkrankung in 70 bis 90 Prozent der Fälle tödlich.
Hepatitis contagiosa canis: Ausgelöst durch das canine Adenovirus Typ 1 (CAV-1). Die Impfung erfolgt mit CAV-2, das eine Kreuzimmunität induziert und gleichzeitig weniger Nebenwirkungen aufweist.
Die Tollwutimpfung ist in Deutschland nach der Tollwut-Verordnung keine generelle Pflichtimpfung, wird jedoch für grenzüberschreitende Reisen innerhalb der EU zwingend vorgeschrieben (EU-Heimtierausweis). In Österreich und der Schweiz gelten landesspezifische Regelungen. Die Erstimpfung erfolgt frühestens mit 12 Wochen, die Auffrischung nach einem Jahr. Anschließend richtet sich das Intervall nach der Zulassung des verwendeten Impfstoffs, üblicherweise jährlich oder alle drei Jahre.
Non-Core-Impfungen werden auf Grundlage einer individuellen Risikobewertung empfohlen.
Leptospiren sind spiralförmige Bakterien, die über den Urin infizierter Wildtiere und kontaminiertes Wasser übertragen werden. In Mitteleuropa ist die Leptospirose wegen des Vorkommens von Reservoirwirten (Ratten, Mäuse, Igel) als regional endemisch einzustufen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt eine jährliche Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff (Serovare Canicola, Icterohaemorrhagiae, Grippotyphosa, Australis).
Die intranasale oder orale Impfung gegen den Zwingerhustenkomplex ist sinnvoll bei Hunden mit häufigem Kontakt zu Artgenossen, etwa in Hundeschulen, Tierpensionen oder auf Ausstellungen. Der Schutz tritt bereits wenige Tage nach Applikation ein.
In Zecken-Endemiegebieten kann eine Impfung gegen Borrelia burgdorferi erwogen werden. Die Impfung ersetzt jedoch keinesfalls eine konsequente Zeckenprophylaxe mit Repellentien oder Akariziden.
Die WSAVA stuft die Impfung gegen das canine Coronavirus (CCoV) als nicht empfohlen ein. Die Erkrankung verläuft bei immunkompetenten Hunden in der Regel mild und selbstlimitierend. Der verfügbare Impfstoff bietet keinen nachgewiesenen klinischen Nutzen.
Impfungen gelten als ausgesprochen sicher. Leichte Lokalreaktionen wie Schwellung an der Injektionsstelle oder vorübergehende Mattigkeit sind möglich und klingen innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab. Schwerwiegende anaphylaktische Reaktionen treten in weniger als 1:10.000 Fällen auf. Informieren Sie Ihren Tierarzt über frühere Impfreaktionen.
Für die Core-Komponenten Staupe, Parvovirose und Hepatitis steht ein serologischer Schnelltest zur Verfügung, mit dem die Antikörperkonzentration im Blut bestimmt werden kann. Ein positiver Titer zeigt einen bestehenden Schutz an und kann als Entscheidungsgrundlage dienen, ob eine Auffrischungsimpfung tatsächlich notwendig ist. Dies ist besonders relevant bei Hunden mit Impfunverträglichkeiten.
Mit der Furli-App haben Sie den Impfplan Ihres Hundes jederzeit griffbereit. Tragen Sie alle Impfungen ein, erhalten Sie rechtzeitig Erinnerungen an fällige Auffrischungen und exportieren Sie das Gesundheitsprofil als PDF für Ihren Tierarzt. So stellen Sie sicher, dass der Impfschutz Ihres Vierbeiners stets aktuell bleibt.